Das soziale Kausalitätsgesetz Rudolf Steiners

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Einseitige soziale Anschauungen und ihre realen Folgen

Die Diskussion um notwendige Maßnahmen zur Bewältigung gesellschaftlicher Krisen zeigt vor allem eines: Es geht um komplexe Streitfragen, die schwer zu handhaben sind und zunehmend vehementer diskutiert werden. Da liegt die Versuchung nahe, sich mit vereinfachten sozialen Anschauungen zu behelfen. Vier Varianten der Vereinfachung treten in Erscheinung und sind zu
problematisieren:

(1) Subjektivistische Konzeption: Diese geht davon aus, dass durch Subjekte gesellschaftliche Normen hervorgebracht werden. Der Mensch – so die Auffassung – ist grundsätzlich gut und die sozialen Verhältnisse und Strukturen verändern sich, wenn jeder Mensch sein Verhalten bessert und ändert. Das kann nur freiwillig aus einem persönlichen Entschluss heraus geschehen. Allenfalls kann an Moral und guten Willen appelliert werden.

(2) Objektivistische Konzeption: Das gesellschaftliche Ganze dominiert das Individuum. Der Einzelne hat keinen wesentlichen Einfluss auf die gegebenen Gesellschaftsstrukturen. Er ist vielmehr selbst Produkt der Verhältnisse und in diesen gefangen. Nur wenn sich die gesellschaftlichen Verhältnisse und Strukturen ändern, verändert das auch jeden Einzelnen. Es liegt alles
am System!

Aus diesen verengten Sichtweisen ergeben sich zwei Haltungstypen:

(3) Ein Optimierungsverhalten unter gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen: Es wird angenommen, jeder Akteur versuche, wenigstens den eigenen Ansprüchen Geltung zu verschaffen und sich so in den krisenhaften Verhältnissen einzurichten. Dieser Haltungstyp mündet in einem Rückzug auf die jeweils eigenen Interessen und die Überzeugung, dass, wenn jeder an sich denke, an alle gedacht sei.

(4) Von dem Optimierungsverhalten ist das resignative Muster zu unterscheiden, der Rückzug ins Private! Die sozialen Fragen, so die Auffassung, seien zu kompliziert. Außerdem gebricht es an notwendigen Handlungsressourcen (Zeit, Wissen und Fähigkeiten) oder an dem notwendigen Interesse. Es erfolgt der Rückzug ins Privatleben.

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