Initiative Netzwerk Dreigliederung

Aufgaben - Ziele - Arbeitsformen

Die Mündigkeit des Einzelnen erfordert eine Umgestaltung sozialer Strukturen

Wir leben mit weltweit eskalierenden sozialen und ökologischen Problemen, die nicht länger verdrängt werden können. Viele Menschen empfinden, dass dringend etwas zur Bewältigung dieser Probleme geschehen müsste, finden aber nur schwer Ansatzpunkte zum eigenen Handeln. Ein Ohnmachtsgefühl tritt auf, oft verbunden mit grundsätzlichen Zweifeln an der Fähigkeit, sich sozial verantwortlich zu verhalten. Mit solchen Zweifeln wächst die Versuchung, die Konflikte durch Begrenzung von Freiheitsräumen bewältigen zu wollen. Wo dies dann tatsächlich geschieht, kommt es zur Lähmung von Initiative und Eigenverantwortung. Damit aber führt ein solcher Weg nicht zu Lösungen, sondern nur zu weiterer Chaotisierung. Denn in einem Zeitalter der Mündigkeit kann weder eine wachsende Dichte staatlicher Regelungen, noch können anonyme Marktmechanismen eine bewusste Gestaltung durch die Menschen selbst ersetzen.

Aufgaben der Initiative
„Netzwerk Dreigliederung"

Wo Menschen soziale Aufgaben verantwortlich ergreifen, muss die Sozialstruktur durchlässig werden für solche Initiative. Deshalb sollte der Staat nur dort - auf der Basis demokratischer Gleichheit - allgemeine Regeln und Grenzen definieren, wo Individuallösungen sachlich unangemessen sind oder noch nicht gelingen. Dadurch könnte sich das Kulturleben immer mehr in freier Selbständigkeit entfalten, während sich im Wirtschaftsleben eine immer weiter gehende soziale und ökologische Selbstverantwortlichkeit und solidarische Zusammenarbeitsformen entwickeln könnten. Gegenwärtig erleben wir jedoch das Gegenteil einer solchen Entwicklung: eine neoliberale Form der Globalisierung macht die Staaten erpressbar und verhindert ein solidarisches Wirtschaften. Gleichzeitig gerät die Kultursphäre - zusätzlich zu staatlicher Bevormundung - unter Kommerzialisierungsdruck.

Der Grundgedanke, soziale Verhältnisse gestaltbar zu machen, indem durch Entflechtung und Gliederung Selbstverwaltungsräume eröffnet werden. ist zuerst von Rudolf Steiner in den Jahren 1917 - 1922 entwickelt worden. "Dreigliederung des sozialen Organismus" ist dieser Arbeitsansatz genannt worden. Die sich 1919 entwickelnde Volksbewegung, die ihren Schwerpunkt in Südwestdeutschland hatte, konnte eine umfassende Neugestaltung nicht erreichen. Immerhin sind seither eine Vielzahl von Initiativen entstanden, die an  einzelnen Stellen im sozialen Leben wirksam wurden: Selbstverwaltete Schulen und Krankenhäuser, Unternehmen, die neue Formen der Zusammenarbeit und des Umgangs mit Arbeit, Boden und Kapital praktizieren, zivilgesellschaftliche Bewegungen, in denen einzelne Motive der Dreigliederung aufscheinen. Auch hat es immer wieder Ansätze und Versuche gegeben, zu einer Zusammenarbeit für den Impuls der Dreigliederung des sozialen Organismus zu kommen. Als 1989 mit dem Umbruch  im Osten eine offene Situation entstand, wurden die  Fragen sozialer Erneuerung auch in größerem Zusammenhang plötzlich wieder höchst aktuell. Damals  formte sich ein Kreis von Menschen, die den Impuls  hatten, 70 Jahre nach der Dreigliederungsbewegung von 1919 das Engagement für soziale Erneuerung zu verstärken und hierfür neue Formen Arbeit zu  entwickeln. So entstand die Initiative "Netzwerk Dreigliederung".

Die Initiative soll dazu beitragen, zwischen den auf dem Feld der sozialen Dreigliederung arbeitenden Einzelpersonen, Gruppen, Firmen und Institutionen ein möglichst dichtes Netz des Gesprächs, des Erfahrungsaustauschs und der Zusammenarbeit zu knüpfen, um - wo immer dies gewollt wird und möglich ist - Kräfte zu bündeln und so stärker wirksam zu machen. Sie will nicht eine Vereinheitlichung im Sinne von etwas, was sein soll, künstlich herbeizwingen, sondern sichtbar machen und fördern, was an realen Arbeitsansätzen und Gemeinsamkeiten vorhanden ist oder entstehen will. Insofern hat sie den Charakter eines Wahrnehmungsorgans. Der Anspruch, eine für alle repräsentative „Dachorganisation“ zu sein, wird ausdrücklich nicht erhoben. Die Initiative will für die Entwicklung eines immer weiter und dichter geknüpften „Netzwerks Dreigliederung“ notwendige Vermittlungsarbeit leisten und hierfür eine organisatorische Minimalplattform bieten.

Als Informationsorgan der Initiative wurde ein Rundbrief geschaffen, der in der Regel viermal jährlich erscheint - inzwischen unter dem Namen „Sozialimpulse - Rundbrief Dreigliederung des sozialen Organismus“. Diese Zeitschrift enthält Beiträge zu aktuellen Zeitfragen und Problemen einer zeitgemäßen Sozialgestaltung. Sie berichtet über Ansätze selbstverwalteten Kulturlebens und „assoziativen“ Wirtschaftens, über Initiativen auf dem Gebiet der Rechtsgestaltung und der Politik. Sie informiert über Treffen, Ausbildungsangebote und Publikationen.

Es finden Arbeitstreffen statt, bei denen Aufgaben und Perspektiven der Dreigliederungsarbeit besprochen werden. Bei einem solchen Treffen im Dezember 2014 konnten wir auf 25 Jahre Netzwerkarbeit zurückblicken. Dabei wurde deutlich, dass fast 100 Jahre nach der Dreigliederungsbewegung 1917-1922 und angesichts der aktuellen Konflikte der Zeit neue Schritte in der gemeinsamen Arbeit nötig sind. Dazu gehört z.B., dass die jährlichen Arbeitstreffen möglichst jeweils von den Dreigliederungsinitiativen einer bestimmten Region ausgerichtet und gestaltet werden – in Verbindung mit der Gesamtinitiative.

Die von der Ausstattung her bescheidene organisatorische „Basis“ der Vermittlungsarbeit ist das Stuttgarter Büro, das nicht nur die Initiative Netzwerk und ihre Zeitschrift betreut, sondern auch als Geschäftsstelle des Instituts für soziale Gegenwartsfragen Stuttgart dient. Diese Arbeit hat seit Entstehen der Initiative Christoph Strawe koordiniert, der auch weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Um den Aufgaben besser gerecht werden zu können, entstand im September 2015 ein Koordinierungskreis, in dem André Bleicher, Ingrid Lotze, Gerald Häfner, Ulrich Morgenthaler und Stefan Padberg C. Strawe unterstützen - soweit ihre begrenzten zeitlichen Ressourcen es zulassen.

Kostenausgleich online per Bankeinzug oder überweisen Sie auf:

Treuhandkonto Czesla
IBAN:
DE65 60050101 000 1161625
BIC: SOLADEST600
(Baden-Württemb. Bank Stuttgart
Konto-Nr.: 1161625
BLZ: 600 501 01)

Wer soll das bezahlen?

Auch die Finanzierung der Dreigliederungs-Aktivitäten der im Netzwerk tätigen Menschen und Gruppen geschieht durch diese selbst und stützt sich auf ihnen zur Verfügung stehende räumliche oder technische Einrichtungen. Insofern ist auch die wirtschaftliche Fundierung der sich entwickelnden Netzwerk-Aktivitäten auf individuelle Einsicht gebaut. Gemeinschaftlich getragen werden müssen die Kosten für die im gemeinsamen Interesse für notwendig erachtete Vermittlungs-und Publikationsarbeit des Büros. Das „Netzwerk Dreigliederung“ kann sich nur in dem Maße entwickeln, in dem alle Interessierten aktiv daran arbeiten und zugleich den finanziellen Rahmen dafür bereitstellen. Daher bitten wir alle diejenigen, die in unserer Arbeit für die soziale Dreigliederung etwas Sinnvolles sehen, uns finanziell zu unterstützen. Sie können dies tun durch die Teilnahme am Kostenausgleich (siehe Kasten oben)

Kostenausgleich

Basis des Kostenausgleichs ist der verabredete Jahresetat. Er enthält die voraussichtlichen Ausgaben und Einnahmen, z.B. aus Kostenbeiträgen für den Rundbrief. Die durch diese Einnahmen nicht gedeckten Kosten werden durch ein Umlageverfahren aufgebracht, bei dem jeder seinen Beitrag individuell festlegt. Am Jahresende erfolgt eine Endabrechnung. Sollte mehr Geld eingegangen sein, als tatsächlich gebraucht wird, ist eine Rückvergütung möglich. Falls das Geld einmal nicht ausreichen sollte, würde eine erneute Umlage veranstaltet - allerdings ohne „Nachschusspflicht“. Bisher war dies glücklicherweise nie der Fall.

Zur steuerlichen Seite: Alle am Kostenausgleich beteiligten Menschen, Firmen und Institutionen bilden faktisch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts als reine Innengesellschaft. Das bedeutet, dass diese Gesellschaft nach außen hin (z.B. einem Finanzamt gegenüber) nicht selbständig auftritt. Die Kostenbeiträge sollten bei Menschen, Firmen und Institutionen, für die die Beteiligung am Netzwerk in einem Zusammenhang mit ihrer beruflichen bzw. gewerblichen Tätigkeit steht, als Werbungskosten bzw. als Betriebsausgaben steuerlich abgezogen werden. Bei gemeinnützigen Einrichtungen, die sich an der Anthroposophie orientieren, ist die Beteiligung am Netzwerk geradezu Voraussetzung für die Erfüllung ihrer Satzungszwecke, denn Anthroposophie beinhaltet immer auch soziale Erneuerungsimpulse.

Netzwerkerinnen im Gespräch (von links: Ingrid Lotze und Karin Riegelmann)