5.
Klassenkampf, Staat und Revolution im Marxismus
Die Klassenfrage
ist die praktisch-politisch entscheidende Frage im Marxismus. Hinter
allen politischen Erscheinungen, hinter religiösen oder moralischen
Positionen verbergen sich nach Auffassungen der Marxisten die
Interessen bestimmter Klassen. Die Klassenunterschiede dürfe man
nicht aus biologischen Unterschieden erklären. Sie haben
gesellschaftliche Ursachen, die in der Ökonomie begründet sind. Zwar
scheinen Klassenverhältnisse oftmals bloße Gewaltverhältnisse wie
die Sklaverei; man vergißt bei solcher Sicht der Dinge jedoch, daß
erst die Existenz eines Mehrprodukts über das für einen Stamm
Notwendige hinaus es möglich macht, z.B. Kriegsgefangene als Sklaven
zu halten, d.h. auch zu ernähren. Die Geschichte kennt Sklaven,
Leibeigene und Proletarier als unterdrückte, Sklavenhalter,
Feudalherren und Kapitalisten als herrschende und unterdrückende
Klassen.[1]
Lenin nimmt den Platz in einem bestimmten geschichtlichen
Produktionssystem, das Verhältnis zu den Produktionsmitteln (Eigentümer
oder eigentumslos), die Stellung in der Arbeitsorganisation (leitende
oder ausführende Funktionen) und den Anteil am gesellschaftlichen
Reichtum und die Art der Erlangung dieses Anteils als
Definitionskriterien des Klassenbegriffs.[2] Die Klassenspaltung
drückt dem gesamten gesellschaftlichen Leben ihren Stempel auf, sie
ist nach marxistischer Überzeugung wesentlicher als alle anderen
sozialen Unterschiede. In einer bestimmten Gesellschaft existieren
Haupt- und Nebenklassen, und innerhalb der Klassen gibt es bestimmte
Schichten und Gruppierungen. Der Kapitalismus habe die Klassengegensätze
vereinfacht, und bis heute bestimme die steigende Zahl der Proletarier
die Veränderungen der
Sozialstruktur. Der Rückgang der Industriearbeiterschaft an der
Gesamtbevölkerung bedeutet nach Auffassung der modernen Marxisten
kein Verschwinden des Proletariats, in das vielmehr neue Schichten
einbezogen werden. So nähere sich die Lage großer Teile der
Intelligenz der der Arbeiterklasse an. Die westlichen Gesellschaften
gelten nach wie vor als kapitalistische Klassengesellschaften, und
wenn die westliche Soziologie sie als „eingeebnete
Mittelstandsgesellschaften“ oder dergl. einschätzt, dann führt man
dies auf apologetische Absichten zurück.[3] Die Geschichte ist
seit der Auflösung der klassenlosen Urgesellschaft eine Geschichte
der "bald versteckten, bald offenen Klassenkämpfe, die ihren
eigentlichen Motor darstellen und stets mit "einer revolutionären
Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete(n) oder mit dem
gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.“[4]
Den herrschenden Klassen erscheint der Klassenkampf als Angriff auf
die Gesellschaft als solche, deren Interessen sie mit den ihren
identifizieren, und sie pflegen ihn als Ergebnis der Wühltätigkeit
finsterer Elemente darzustellen, während er sich in Wahrheit, folgt
man der Marxschen Theorie, ständig aus der Unversöhnlichkeit der
Klassengegensätze neu erzeugen muß. So wichtig das „Klassenbewußtsein“
für das Handeln einer Klasse ist, entscheidend ist ihre
objektiv-materielle Lage, deren Widerspiegelung das Klassenbewußtsein
ist. Seine Produktionsmittellosigkeit, sein Ausgebeutetsein, seine
Verbundenheit mit den modernsten Produktivkräften machen das
Proletariat für den Marxismus zur revolutionären Klasse, bis heute.
Daß die Masse der Arbeiter im Westen heute nicht an Revolution denkt,
kann nach Auffassung der Marxisten-Leninisten doch letztlich nicht
verhindern, daß sie eines Tages tun werden, wozu ihre materielle Lage
sie drängt.[5]
Materielle Interessen, nicht soziales Unverständnis seien Ursache der
sozialen Übel, die folglich auch nicht durch den Appell an soziales
Verständnis und allgemeine Menschlichkeit, sondern nur durch
revolutionären Klassenkampf abgeschafft werden können, der die
materiellen Verhältnisse umwälzt. Der Klassenkampf
tritt in drei Formen, als ökonomischer, politischer und ideologischer
Kampf in Erscheinung. Der ökonomische Kampf entwickelt sich spontan:
durch Streiks etc. müssen sich die Arbeiter immer wieder einen Anteil
am von ihnen geschaffenen Reichtum erkämpfen. Die Grundinteressen der
Arbeiterklasse verlangen darüberhinaus jedoch den politischen Kampf,
bei dem es letztlich um die Staatsmacht geht. Jede Staatsmacht ist
nach marxistischer Lehre in Wahrheit eine Klassendiktatur, und wenn
die Arbeiterklasse zur Durchsetzung ihrer Interessen die "Diktatur
des Proletariats“ erkämpft, ersetzt sie nur die Diktatur der
Minderheit durch die Diktatur über die Minderheit. Ebenfalls für
unverzichtbar hält man den ideologischen Kampf, der ein Kampf um
Einfluß auf das Denken und in gewissem Sinne auch auf das Fühlen der
Menschen ist. Es war Lenins Grundthese in "Was tun“, daß sich
sozialistisches Klassenbewußtsein in der Arbeiterklasse nicht spontan
bildet; eine proletarische Avantgardepartei mit marxistischer
Ideologie muß das richtige Bewußtsein in die Klasse hineintragen und
ihren Kampf auf das sozialistische Ziel hin ausrichten. Eine
Gewerkschaft reicht dazu nicht aus, sondern es bedarf der höchsten
Form der Klassenorganisation: nur die Partei kann die richtige
Verbindung von Strategie und Taktik, von Kampf um Reformen und
einzelne Verbesserungen mit dem Ansteuern der Revolution gewährleisten.[6] Für Marx ist das
Endziel der Arbeiterklasse -im
Gegensatz zu allen anderen revolutionären Klassen in der
Geschichte, die letztlich nur neue Ausbeutungsverhältnisse an die
Stelle der alten setzten -der Kommunismus, eine klassenlose
ausbeutungsfreie Gesellschaft. Die Arbeiterklasse kann sich nur
befreien, ihre eigene Existenz als unterdrückte Klasse nur aufheben,
in dem sie alle Klassenverhältnisse aufhebt: In dieser Aufhebung
besteht der Prozeß der Entwicklung der sozialistisch-kommunistischen
Gesellschaft. Die Arbeiterklasse verbündet sich im Kampf für die
neue Gesellschaft mit allen anderen werktätigen Volksschichten, deren
Interessen mit denen des großen Kapitals divergieren, die auf der
anderen Seite aber nicht die entscheidende antikapitalistische Rolle
spielen können: ohne die Arbeiterklasse wäre keine von ihnen
imstande, eine wirkliche soziale Umwälzung zu vollbringen.[7] Wie stellt man sich
den Aufbau des Kommunismus vor?
Die Diktatur des Proletariats legt den Grundstein für die
klassenlose Gesellschaft. In einer Übergangsperiode werden die
Ausbeuterklassen im sozialen Sinne beseitigt. Ihre ehemaligen Angehörigen
sollen jedoch - bei „weitestmöglicher Nutzung ihrer
Spezialkenntnisse in technisch-wirtschaftlichen Fragen - in den
sozialistischen Produktionsprozeß einbezogen werden.“[8]
Während man Großeigentum sofort verstaatlicht, kann es bei
kleinen und mittleren kapitalistischen Betrieben auch den Weg
zunehmender staatlicher Beteiligung und schließlichen Aufkaufs geben.
Das Eigentum der Bauern und Handwerker soll über den
genossenschaftlichen Weg allmählich sozialisiert werden. Allmählich
sollen auch die sozialen Unterschiede zwischen körperlicher und
geistiger Arbeit, Stadt und Land usw. beseitigt werden. Die zunächst
noch bestehenden Widersprüche zwischen den Klassen und Schichten im
Sozialismus haben bereits keinen unversöhnlichen, antagonistischen
Charakter mehr. Der sozialistische Aufbau soll zu einer sittlichen
Erneuerung der Gesellschaft führen, den neuen Menschen schaffen. Die
fortbestehenden Formen antisozialen Verhaltens wie „Habgier,
Bestechlichkeit, Müßiggang, Verleumdung, anonyme Krittelei,
Trunksucht und dergleichen“ erklärt man sich teils daraus, daß der
Sozialismus noch ein junger, sich erst entwickelnder sozialer
Organismus ist, teils daraus, daß die
kapitalistisch-imperialistischen Staaten auf das Bewußtsein der Bürger
der sozialistischen Länder einwirken.[9] Daß der Marxismus
die Klassenunterschiede als die entscheidenden Unterschiede ansieht,
bedeutet nicht, daß er den nationalen Unterschieden keine Bedeutung
beimißt. Und so wie er die soziale Psychologie der Klassen zwar
letztinstanzlich aus der Ökonomie sich herleiten läßt, ohne sie
jedoch unmittelbar in ihr aufzulösen, so verfährt er auch gegenüber
dem Problem der nationalen Psychologie. Betrachtet man die Entwicklung
der „historischen Typen von Menschengemeinschaften“[10],
so ergibt sich die Abfolge: „Gens/Sippe - Stamm
- Völkerschaft - Nation“. Die Blutsbande sind für die ersten
Vergesellschaftungsformen der Menschen die entscheidenden. Erst später
mit der Zersetzung der Urgemeinschaft und ihrer primitiven
Produktionsorganisation verbindet das gemeinsame Territorium die
Menschen in ähnlichem Maße wie früher die Blutsbande allein es
taten. Die Tauschwirtschaft zerbricht die Grenzen der ethnischen
Gemeinschaften und führt zum Entstehen größerer Einheiten. - So
wird in marxistischer Sicht die Nation geboren, die sich auch
politisch zentralisiert. Eine Nation ist eine Gemeinschaft von
Menschen, die durch gemeinsame Sprache, gemeinsames Territorium,
Gemeinsamkeit des Wirtschaftslebens und einige Besonderheiten der
sozialen Psychologie verbunden ist. Auch die Nationalkultur spielt
hier eine Rolle. Ein Problem besonderer Art bilden die Vielvölkerstaaten. Die Rolle des
Nationalismus sieht der Marxismus differenziert: Nationalismus kann
progressiv sein, so heute in der Dritten Welt, aber auch reaktionär,
etwa dann, wenn er sich gegen die brüderliche Zusammenarbeit der sich
einander annähernden Nationen im Sozialismus-Kommunismus wendet; eine
Formulierung, die vielerlei Interpretationen Raum gibt, wie die Bekämpfung
reformkommunistischer Bewegungen - z. B. in Jugoslawien oder der CSSR
- als nationalistisch beweist. Selbstverständlich wendet man sich
auch gegen alle Versuche, den Gedanken der nationalen Solidarität
gegen den Klassenkampf auszuspielen und die Kommunisten als
vaterlandslose Gesellen darzustellen, wie es einst der Kaiser Wilhelm
mit den Sozialdemokraten tat. Mit Entschiedenheit tritt man jedem
Chauvinismus und Rassismus entgegen, der Gleichheit und Brüderlichkeit
der Menschen negiert. Die Kommunisten sind jedoch in bezug auf den
nationalen Gedanken keine Nihilisten: sie wollen zugleich
„proletarische Internationalisten“, Anhänger der internationalen
Solidarität des Proletariats, und Patrioten sein. Im Vielvölkerstaat Sowjetunion will man den
Gedanken der Gleichberechtigung und Freiheit der Nationen
verwirklichen, die brüderlich zusammenarbeiten sollen. In der künftigen
durch den Kommunismus geschaffenen Kultur soll das Beste aller
Nationalkulturen aufgehen und zugleich aufbewahrt sein. Man rechnet
mit der Herausbildung einer gemeinsamen Sprache, die nicht mit einer
der bestehenden Sprachen identisch sein soll.[11] In den Auffassungen
des Marxismus über das soziale Leben der Menschheit spielt auch das
Verhältnis von Staat und Revolution und die Beziehung von Krieg und
Frieden eine große Rolle. Dem jungen Marx gilt der Staat als das
entfremdete Gattungswesen des Menschen[12].
Heute wird vor allem betont, daß der Staat ein Instrument
der Klassenherrschaft, ein Produkt der Unversöhnlichkeit der
Klassengegensätze ist. Engels hat ausgeführt[13],
wie erst mit dem Entstehen Privateigentums die alte „Gentilverfassung“,
eine primitive Form der gesellschaftlichen Selbstverwaltung, durch
eine besondere Gewalt ersetzt wird, die Bestandteil des
gesellschaftlichen Überbaus ist, die Klassenbeziehungen im Interesse
der herrschenden Klasse durch Rechtsnormen regeln soll und auch den
Schutz der Gesellschaft nach außen übernimmt. Sie erzwingt mit
Gewalt die Einhaltung dieser Rechtsnormen, die Brauch, Tabu und Gebot
ersetzen bzw. an ihre Seite treten. Mit dem Staat entsteht die Politik
- „konzentriertester Ausdruck der Ökonomik“ (Lenin) - als eine
Form des Handelns von Klassen in bezug auf den Staat. Das politische
Leben schließt, besonders in der neueren Zeit, auch die Bildung
politischer Organisationen (Bünde, Parteien usw.) ein, die die
Interessen von Klassen oder Klassenfraktionen verfechten. Bei den
verschiedenen Staatstypen, die sich geschichtlich entwickelt haben -
Despotie, Imperium, Aristokratie, Demokratie, Oligarchie - gilt als
die entscheidende Frage immer die nach ihrem „Klassenwesen“,
danach, wessen Klasseninteressen durch die jeweilige Herrschaftsform
durchgesetzt werden sollen. Die wichtigste Typisierung der Staaten ist
daher die Unterscheidung in Sklavenhalterstaaten, Feudalstaaten,
kapitalistische und sozialistische Staaten. Der westliche
Parlamentarismus gilt keineswegs als die „reine Demokratie“, die
er im eigenen Selbstverständnis darstellt, sondern letztlich doch als
Organ „imperialistischer Klassenherrschaft“, das freilich partiell
von der Arbeiterbewegung und den antimonopolistischen Kräften
umfunktioniert werden kann. Schon Lenin schrieb, der moderne
Kapitalismus tendiere zum Demokratieabbau. Gerade deshalb gilt der
Kampf der Arbeiterbewegung für die bürgerlich-demokratischen
Freiheiten, die sie wie die Luft zum Atmen brauche, als besonders
wichtig. Nach wie vor hält der größte Teil der
marxistisch-leninistischen Theoretiker für die Errichtung des
Sozialismus eine „Diktatur des Proletariats“ für erforderlich.
Die Notwendigkeit einer solchen Diktatur, die für ihn mit der „Erkämpfung
der Demokratie“ identisch ist, hatte Marx für eine seiner
wesentlichsten Entdeckungen gehalten; er hatte sie aber für eine
kurzfristige Übergangsregelung gehalten, um die notwendigen rigorosen
Eingriffe in das Eigentumsrecht vornehmen zu können.[14] Einige westeuropäische
kommunistische Parteien haben den Begriff der Diktatur des
Proletariats aus ihrer Programmatik entfernt. Von seinen Befürwortern
wird heute argumentiert, diese „Diktatur“ sei zum einen nötig, um
den gestürzten Widerstand der „Ausbeuterklassen“ niederzuhalten,
zum anderen, und das sei ihre Hauptaufgabe, konstruktiv bei der
Erziehung der Massen und der Einrichtung einer Planwirtschaft wirken.
Gegen die Mehrheit soll sich die Diktatur, jedenfalls der Theorie
nach, demokratisch, nur gegen die Minderheit diktatorisch benehmen. So
soll im realen Sozialismus die Unterdrückungsfunktion des Staates
gegenüber seinen anderen Aufgaben, deren wichtigste der Schutz gegen
äußere Aggression ist, abnehmen, und als erster Staat in der
Geschichte soll der sozialistische Staat schließlich ganz absterben
und in der kommunistischen Selbstverwaltung sich auflösen, zu der die
Teilnahme am Staatsleben eine Art Vorschule für die Massen sein soll.
Doch seien heute noch gewisse Zwangsregelungen nötig, da die Massen
sich nur langsam daran gewöhnten, ihren gesellschaftlichen
Verpflichtungen freiwillig nachzukommen.[15] Der heutige
„revolutionäre Weltprozeß“ bringe eine Reihe von staatlichen Übergangsformen
hervor, von den jungen Nationalstaaten bis hin zu der von einigen
westlichen Kommunistischen Parteien anvisierten antimonopolistischen
Demokratie. Das Thema Revolution hat den Marxismus stets zum
Schreckgespenst der Begüterten und zu einer Hoffnung für Entrechtete
gemacht. Revolutionen sind nach marxistischer Auffassung die
„Lokomotiven der Geschichte“, ihre wichtigsten Wendepunkte, keine
Störungen des „normalen Geschichtsverlaufs“. Sie entstehen aus
der Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen: die
Sprengung der Hülle einer überlebten sozialökonomischen Formation
ist in jedem Fall ein qualitativer Sprung. Da die herrschenden Klassen
nicht freiwillig abzutreten pflegten, sondern den politischen Überbau
der alten Gesellschaft mit seinen Zwangs- und Gewaltinstrumenten zur
Verteidigung überlebter Ordnungen ausnützten, könne keine unterdrückte
Klasse, auch nicht die Arbeiterklasse, ohne ein gewisses Maß an
Gewalt auskommen, obwohl der Weg ohne Bürgerkrieg heute möglich und
erstrebenswert sei, jedenfalls in einer ganzen Reihe von Ländern.[16] Revolutionen sind für
den Marxismus nicht das Ergebnis subjektiver Fehler, etwa mangelnder
Reformbereitschaft bei den Herrschenden. Reformen dämpfen nur die
gesellschaftlichen Widersprüche, aber lösen sie nicht auf. Erst
unter den Bedingungen der klassenlosen Gesellschaft würden
gesellschaftliche Evolutionen keine politischen Revolutionen mehr sein
müssen, hat Marx einmal gesagt.[17] Die historischen
Typen von Revolutionen werden nach den Gesellschaftsformationen
unterschieden, die von ihnen ins Leben gerufen werden, wobei der
soziale Inhalt einer Revolution und ihre sozialen Triebkräfte nicht
einfach identisch sind -so war die französische Revolution eine bürgerliche,
wurde aber keineswegs nur von den Bürgern gemacht. Bürgerlich-kapitalistische
und sozialistische Revolution unterscheiden sich nicht nur einfach
dadurch, daß die sozialistische Revolution die erste in der
Geschichte sein soll, die nicht eine neue Form der Ausbeutung der
Mehrheit durch die Minderheit etabliert, sondern die Ausbeutung als
solche abschafft. Auch bilden sich bei der ersteren die neuen
Produktionsverhältnisse zusammen mit den neuen Produktivkräften
bereits ansatzweise in der alten gesellschaftlichen Hülle. Die
Produktionsverhältnisse des Sozialismus dagegen könne man nicht im
Schoße der alten Gesellschaft heranwachsen lassen, weil sich nicht im
Rahmen einzelner Betriebe gesellschaftliches Eigentum schaffen lasse,
sondern nur im gesamtgesellschaftlichen Rahmen. Es gilt aus diesem
Grunde als Opportunismus und Reformismus, auf ein allmähliches
Heranwachsen des Sozialismus zu hoffen. Ohne Erkämpfung der
Staatsmacht durch die Arbeiterklasse unter der Führung einer
marxistisch-leninistischen Partei sei der Sozialismus nicht zu
erringen. Sehr großen Wert
legt der Marxismus auf die richtige Bestimmung des Verhältnisses von
objektiven Bedingungen und subjektivem Faktor in der Revolution. Diese
entsteht nicht von allein, ohne den „subjektiven Faktor“, aber
auch nicht ohne halbwegs reife materielle Bedingungen. Erforderlich
ist eine ,revolutionäre Situation‘, in der ,die oben nicht mehr können
und die unten nicht mehr wollen‘,- was eine Vermehrung des Elends,
wenn auch nicht unbedingt im physischen, so doch im sozialen Sinne
voraussetzt. Revolutionen können daher weder exportiert noch auf
Bestellung gemacht werden.[18]
Sie können jedoch an der mangelnden Reife des subjektiven
Faktors scheitern: z.B. am Fehlen einer marxistisch-leninistischen
Avantgardepartei oder an deren Versagen, oder an der mangelnden
Geschlossenheit der Arbeiterbewegung. Während Marx und
Engels den Sieg der Revolution in den wichtigsten und
fortgeschrittensten kapitalistischen Ländern zugleich erwarteten,
entdeckt Lenin die Möglichkeit des Sieges der Revolution in einem
Land, die er durch die neuen Bedingungen des Imperialismus gegeben
sieht. Nach wie vor ist der Gedanke der Weltrevolution gültig, aber
man denkt dabei heute an einen längerfristigen „weltrevolutionären
Prozeß“, in dem der Imperialismus überwunden werden wird. Man
spricht von drei „Hauptsäulen“ dieses Prozesses: der
Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Ländern und der „staatlich
organisierten Arbeiterklasse“ des realen Sozialismus, die seine
Hauptkraft bilden, und der „Nationalen Befreiungsbewegung“ der
Dritten Welt. Der Kapitalismus befindet sich -
folgt man den Dokumenten der Weltkonferenzen der
Kommunistischen Parteien - in der Etappe seiner sich ständig verschärfenden
allgemeinen Krise, letztlich hat der Imperialismus die historische
Initiative bereits verloren. Gleichzeitig betonen die angesprochenen
Dokumente, z.B. das der 69er Beratung der Kommunistischen Parteien,
das „Hauptkettenglied“ im antiimperialistischen Kampf sei der
Kampf für den Frieden, gegen die Gefahr eines thermonuklearen
Krieges, für die friedliche Koexistenz von Staaten unterschiedlicher
Gesellschaftsordnung.[19] Wie vereinbaren sich
Revolution und Frieden? In der Bewertung des Friedensmotivs der
Politik der sozialistischen Länder herrscht im Westen Unsicherheit,
ja häufig politischer Streit. Die Entspannungsgegner behaupten, die
Friedenslosung sei nur ein Trick, um den Westen einzulullen und schließlich
für die Revolution sturmreif zu machen. Dagegen hoffen manche
Entspannungsbefürworter, die sozialistischen Staaten würden alle
welt-revolutionären Ambitionen aufgeben und schließlich sich auch
zur ideologischen Koexistenz bereitfinden. So könne es schließlich
sogar zur „Konvergenz“ der beiden Systeme kommen. Beide Einschätzungen
sind unrealistisch, weil sie die Prämissen der Außenpolitik der
sozialistischen Länder verkennen. Diese geht von der Leninschen
Doktrin aus, die - Clausewitz folgend - den Krieg als „die
Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ definiert. Aus der
ausbeuterischen Natur des Kapitalismus ergebe sich seine Neigung zu Rüstung,
Aggression und Krieg, während die Arbeiterbewegung seit jeher die
Friedensbewegung par excellence gewesen sei. Daß die Entrüstung über
den völkermordenden Ersten Weltkrieg eine der wichtigsten Triebkräfte
des Bolschewismus gewesen ist, kann man in der Tat nicht bestreiten.
Das erste Dekret der Sowjetmacht war das Dekret über den Frieden, und
daß speziell in der Sowjetunion, die im Kampf gegen die Armeen
Hitlerdeutschlands 20 Millionen Menschen verlor, die Friedenssehnsucht
tiefe Wurzeln in allen Bevölkerungskreisen hat, wird keiner, der die
Verhältnisse einigermaßen kennt, leugnen wollen. Die
Klasseninteressen der Arbeiterklasse bestimmen in der Selbsteinschätzung
der Kommunisten auch den friedlichen Charakter der Außenpolitik des
Sozialismus. Solange zwei Gesellschaftssysteme existierten, sei
-besonders unter den Bedingungen der atomaren Rüstung -ihre
friedliche Koexistenz eine Überlebensfrage für die Menschheit und
keine Frage taktischen Kalküls. Daß man davon ausgeht, daß ein
Klima der Entspannung einer Festigung des Einflusses der Kommunisten
im Westen eher förderlich ist als ein Klima des Kalten Krieges, ist
nicht das Hauptmotiv für die Entspannungspolitik, wenn es auch eine
der Hoffnungen ist, die man mit dieser Politik verknüpft hat. Man
geht immerhin soweit zu sagen, ein Export der Revolution durch Krieg
sei Wahnsinn und Provokation. Die günstige Wirkung des
Friedenskampfes auf den weltrevolutionären Prozeß sieht man darin,
daß das Ringen um Entspannung und Abrüstung sich gegen die am
meisten reaktionären, die aggressivsten Kräfte des Imperialismus
richtet und deren Positionen, das Hauptbollwerk gegen den sozialen
Fortschritt, schwächen kann.[20] Man macht sich über
die Auswirkungen eines Atomkriegs kaum Illusionen; er würde nicht nur
den Aufbau des Sozialismus erst einmal beenden. Die eigene Rüstung
wird fast ausschließlich in ihrer Schutzfunktion gesehen, sie diene
dem Frieden, so wird immer wieder versichert, weil sie potentielle
Aggressoren daran hindere, den Staaten des Sozialismus jenes Schicksal
zu bereiten, das einst Hitler der Sowjetunion bereiten wollte. Die Rüstung
der westlichen Staaten dagegen erscheint immer noch als mögliches
Aggressionsinstrument im Interesse der Profit- und Machtsicherung des
an Rüstung und Krieg nach wie vor interessierten Monopolkapitals bzw.
der aggressivsten Kreise desselben. Ideologische Koexistenz darf es
der Doktrin nach nicht geben: im Gegenteil, unter den Bedingungen der
Entspannung nehmen die „ideologischen Diversionsversuche“ des
„Klassengegners“ an Bedeutung zu, umso wachsamer glaubt man alles
bekämpfen zu müssen, was als „bürgerliche Ideologie“ gilt. Daß
die eigene Weltmachtrolle auch eine gegenüber dem ursprünglichen
friedenspolitischen Ansatz des Sozialismus sich verselbständigende
Logik hat, wird nach wie vor meist verdrängt. Sicher ist die
Ausrichtung der Außenpolitik am Konzept der friedlichen Koexistenz
ehrlich gemeint. Aber zugleich ist die Politik durch Mißtrauen und
rigoroses, oft übers Ziel hinausschießendes Sicherheitsdenken geprägt
und durch geopolitische Aspekte und globalstrategische Überlegungen,
wie man die andere Seite vor Interventionen in den revolutionären
Prozeß abschrecken kann, mitgeformt. Sie schließt daher Aktionen wie
Afghanistan nicht aus: die Revolution darf der Doktrin nach nicht
exportiert werden, aber dort, wo sie „gesiegt“ hat, darf ihr gegen
jegliche „Konterrevolution“ auch militärisch beigestanden werden,
-auch wenn die hilferufenden Revolutionäre nur äußerst spärlich
demokratisch legitimiert sind. Denn die internationale Politik gilt
allemal als Feld des internationalen Klassenkampfs, der auch um die
Friedensfragen geführt wird; einem klassenindifferenten Pazifismus
gibt man keine Entfaltungsmöglichkeiten im eigenen Machtbereich. Die Kritik am
Marxismus hat häufig damit operiert, daß die von Marx beschriebenen
gesellschaftlichen Verhältnisse der Vergangenheit angehörten und
damit auch sein Klassenkampf- und Revolutionskonzept hinfällig sei.
Marx schweben bei seinem Klassenbegriff der gewaltsam in Ketten
gehaltene Sklave, der durch nackte ökonomische Not zum Verkauf seiner
Arbeitskraft um fast jeden Preis gezwungene Proletarier vor. In der
Tat ist im Vergleich damit die Lage zumindest weiter Teile der Lohn-
und Gehaltsabhängigen im Westen erheblich besser. Die
Aufstiegschancen, also die Durchlässigkeit des sozialen Gefüges und
die soziale Mobilität sind größer geworden, wenn auch von völliger
Chancengleichheit noch nicht gesprochen werden kann. Die Realität der
westlichen Gesellschaften ist weder ein jenseits des Kapitalismus
angesiedelter „demokratischer Interventionismus“ (Popper) noch die
durch „permanente Verschärfung der Widersprüche zwischen einer
winzigen Schicht von Monopolherren und den breiten Volksmassen“
gekennzeichnete Gesellschaftsordnung, als die sie im Osten gesehen
wird. So schief die These westlicher Soziologen vom „Verschwinden
der Arbeiterklasse“ ist, so sehr hat auf der anderen Seite heute für
den Westen Gültigkeit, was Stalin einst für den Osten erklärte: die
Arbeiterklasse ist kein Proletariat mehr.[21] Die
marxistisch-leninistische Klassentheorie macht es sich mit den
sozialstrukturellen Veränderungen im Westen zu einfach, wenn sie sie
umstandslos als Bestätigung der eigenen Theorie interpretiert. Es ist
zwar richtig, daß die Zahl der Lohn- und Gehaltsabhängigen gegenüber
den Selbständigen (die noch nicht einmal alle
„Produktionsmittelbesitzer“ sind) enorm gestiegen ist, womit die
gesellschaftliche Realität mehr jenem von den Nebenklassen
abstrahierenden Modell des Marxschen „Kapital“ entspricht als die
Gesellschaft zu Marx‘ Zeiten. Doch diese „Vereinfachung“ der
Klassenstruktur[22]
ist eben nicht einfach im Sinne der Polarisierung: Akkumulation
von Reichtum auf der einen, Akkumulation von massenhaftem Elend auf
der anderen Seite, verlaufen. So richtig es ist, daß sich die Lage
großer Teile der ehemals nichtproletarischen Schichten der Lage der
Arbeiterklasse angenähert hat, so richtig ist es ebenfalls, daß sich
die Lage der Arbeiterklasse - hinsichtlich Lebensstandard, Vermögensbildung
und verschiedener anderer für die empirische Existenz höchst
wichtiger Parameter - der der ehemals nichtproletarischen Schichten
angenähert hat. Die soziale Sicherheit eines Arbeiters ist heute eher
höher als die eines Kleingewerbetreibenden, sagen wir der Weimarer
Republik. Insoweit ist es müßig, darüber zu streiten, ob wir es mit
wachsender Proletarisierung oder dem Trend zur
Mittelstandsgesellschaft zu tun haben, -an beidem ist offenbar ein Körnchen
Wahrheit. Man muß auch berücksichtigen, daß es unter den
nichtselbständigen Schichten große Teile relativ Privilegierter und
Begüterter gibt, deren Lebenslage durchaus besser sein kann als die
von Teilen der kleinen Bourgeoisie. Die Rede von einer
„neuen sozialen Frage“ ist kein bloßes Ablenkungsmanöver vom
„kapitalistischen Grundwiderspruch“. Es ist in der Tat das
Grundproblem einer Gesellschaft, in der Kampf aller gegen alle um den
höchsten Anteil am „Sozialprodukt“ oberstes Gesetz zu werden
droht oder schon ist, daß relativer Reichtum bei relativ breiten
Schichten mit relativer Armut bei Randschichten paart, die sich unter
den Bedingungen der Wachstumskrise tendenziell verbreitern, ohne daß
diese Polarisierung längs der traditionellen „Klassenfront“
verliefe. Man denke an Teile der Arbeitslosen, der Rentner usw. Das
Faktum der Arbeitslosigkeit als solcher auf der anderen Seite ist ein
deutlicher Hinweis auf die keineswegs überholten Aspekte der
Marxschen Analyse. Auch von den
Marxisten-Leninisten wird zugegeben und berücksichtigt, daß die
soziale Binnenstruktur der „Arbeiterklasse“ sich wesentlich
gewandelt hat: zugunsten der „Angestelltenschichten der
Arbeiterklasse“ und zuungunsten des Industriearbeiteranteils,
zugunsten des Dienstleistungssektors usw. Daß die Mittelstände nicht
in dem Maße zerstört worden sind, wie Marx prognostiziert hat, hat
man zur Kenntnis genommen: Immerhin hatte bereits Lenin über die
Bildung neuer Zwischenschichten im „imperialistischen
Kapitalismus“ reflektiert. Mit der Konzentration und Zentralisation
des Kapitals sind auch neue Zuliefererindustrien entstanden, die
Produktivkraftentwicklung hat Handwerk nicht nur -durch die Dampfkraft
- vernichtet, sondern auch - z.B. durch den Elektromotor - konkurrenzfähig
gemacht. Es ist nicht einfach bürgerliche Ideologie und Propaganda,
die auch die Kernschichten der Arbeiterklasse auch andere Möglichkeiten
zur Geltendmachung ihrer Interessen sehen läßt als den Klassenkampf,
sondern es sind vor allem die Verhältnisse selbst, in denen die
Arbeiter eben durchaus mehr zu verlieren haben als ihre Ketten. Das marxistische
Geschichtsschema gewinnt seine Strahlkraft durch die Idee, daß
letztendlich die Ausgebeuteten und Entrechteten zu obsiegen und eine
menschenwürdige Ordnung zu schaffen vermögen. Bei näherer
Betrachtung zeigt sich aber, daß dies in dieser Form auch bei Marx
nur für die letzte „Ausbeuterordnung“, den Kapitalismus, gilt.
Die Sklavenhaltergesellschaft wurde nicht durch die Herrschaft der
Sklaven abgelöst, und den Feudalherren folgte nicht die Hauptklasse
der Leibeigenen in der Herrschaft, sondern die „Nebenklasse“ des
städtischen Bürgertums. Der Marxismus hat zwar auch dafür wieder
eine Erklärung, aber ist es nicht doch wahrscheinlich, so fragten
manche, daß Marx sich auch in bezug auf den Kapitalismus geirrt hat
und auch dort alles auf die Herrschaft einer neuen Nebenklasse hinausläuft,
die man dann auch in den Managern entdeckt haben wollte.[23]
Das Anstößige an dieser Theorie, die hier nicht näher
beleuchtet werden kann, scheint weniger darin zu liegen, daß
dergleichen soziologisch nicht vorstellbar wäre, sondern eher darin,
daß sie unserem Gerechtigkeitsgefühl und Sinnverlangen weniger
entgegenkommt. [1] Vgl., auch im weiteren, Konstantinow, S. 333ff., Hahn 1976, S. 421ff. und die anderen einschlägigen Titel im Lit.verzeichnis. [2] LW 29, S. 410. [3] Vgl. z.B. Jung u.a. 1973; H. Steiner 1967. [4] MEW 4, S. 462. [5] Ende der 60er Jahre wendete man sich in diesem Zusammenhang gegen Herbert Marcuses These, die Arbeiterklasse sei kein revolutionäres Subjekt mehr, allenfalls Randgruppen seien noch revolutionär. [6]
LW 5. Vgl. a. Sagladin 1973, S. 11ff. [7]
Vgl. MEW 4, 472 f. [8] Wissenschaftlicher Kommunismus, S. 338. [9] L.I. Breshnew, Auf dem Weg Lenins, Bd. 3, 1973, S. 313, vgl. 223, 321. [10] Konst., S. 368. [11] ibd. 383. [12] MEW 1, z.B. 354f., 369f., wo es heißt, erst wenn der individuelle Mensch den abstrakten Staatsbürger in sich zurücknehme und in seinem konkreten Leben gemeinschaftlich werde, sei die menschliche Emanzipation vollbracht. [13] Der Ursprung der Familie ..., MEW 21. [14] Vgl. MEW 4, S. 481f.; Brief an Wedemeyer vom 5. 3. 1852; MEW 28, S. 507f.; vgl. MEW 19, S. 27ff. Dort spricht sich Marx gegenüber Lassalle i.ü. gegen jede Volkserziehung durch den Staat aus, Regierung und Kirche seien vom Einfluß auf die Schule auszuschließen! [15] Vgl. Konstantinow, S. 403f. In der Sowjetunion soll der Staat bereits den Charakter eines „Staats des ganzen Volkes“ angenommen haben, ohne den Charakter der Diktatur des Proletariats eingebüßt zu haben, eine nicht einfach nachzuvollziehende These. [16] Vgl. Sagladin 1973, S. 97ff.; Erklärungen der internationalen Beratungen von kommunistischen und Arbeiterparteien 1957, 1960 und 1969; MEW 18, S. 160. [17]
MEW 4, S. 182. [18]
Vgl. Sagladin 1973, S. 155; MEW 35, S. 358. [19] Internationale Beratung, 1969, S. 36ff. [20] Sagladin, S. 152ff. Vgl. a. Breshnew, Rede auf dem Weltkongreß der Friedenskräfte, 1973. [21] Stalin, Fragen des Leninismus, S. 693 f. [22]
Vgl. MEW 4, S. 463. [23]
Vgl. Burnham 1949.
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